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„Im Remstal kein zweites Mal“


Das Reinhold-Maier-Geburtshaus wird saniert.

„Es ist ein markantes, Stadtbild prägendes Haus – von der Architektur her gibt es kein zweites in dieser Art in Schorndorf“, erklärt Martin Schmidt, Geschäftsführer der Stadtbau Schorndorf GmbH und Architekt, den Kauf des Reinhold-Maier-Geburtshauses durch die Stadtbau. Das 145 Jahre alte Gebäude wird in den kommenden Wochen renoviert, doch der Charakter des Gebäudes soll bestehen bleiben.

Gehweg gesperrt

Am gestrigen Mittwoch, 29. Juli, gingen die Renovierungsarbeiten an der Außenseite der Feuerseestraße 1 los, in der ersten Augustwoche muss dafür der Teil des Gehwegs am Fußgängerüberweg gesperrt werden, um Platz für Laster und kleine Bagger zu machen. Denn das Grundstück bietet für diese keine Stellfläche. Dabei wurde bewusst der Ferienzeitraum gewählt, um bei den Arbeiten auf weniger Verkehr zu stoßen. Und Martin Schmidt verspricht: „Man wird noch vorbeilaufen können.“ In Kalenderwoche 42 wird es dann noch einmal eine Sperrung geben, um das Gerüst zur Außensanierung wieder abzubauen.

Die Stadtbau saniert das Gebäude innen und außen. Die komplette Fassade sowie das Dach müssen überarbeitet werden. „Die Sanitär- und Heizungsanlagen machen wir neu“, erzählt Schmidt. Gerade befinden sich noch Öltanks, aber auch Gasheizungen, Kachelöfen und sogar Nachtspeicheröfen im Gebäude. „Also alles“, sagt der Chef der Stadtbau GmbH. Am Ende wird es nur noch eine Gasheizung geben. Wände, Decken, Böden, Bäder und Toiletten müssen neu gemacht werden. Wo es geht, sollen die Böden jedoch durch Reparatur erhalten bleiben. Es gäbe eine sehr gute originale Bausubstanz. Auch die doppelglasigen Kastenfenster bleiben wohl drin. Die Scheiben sitzen 12 bis 15 Zentimeter auseinander. Er sei überrascht gewesen, wie leise es drinnen sei, obwohl draußen ja viel Verkehr vorbeiziehe, so Schmidt.

Das denkmalgeschützte Gebäude wird jedoch trotz all der Veränderungen seinen Charakter behalten. Dafür befindet sich die Stadtbau in enger Abstimmung mit der zuständigen Behörde. Sie versucht sogar, möglichst den Originalzustand wiederherzustellen. So soll die Außenfarbe gelb-ocker bleiben, jedoch etwas heller als bislang werden, da dies eher der originalen Farbe entspreche. Und auch die vielen Schmuckelemente wie die Turmspitzen bleiben erhalten.

Dass das Geburtshaus des ersten Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Reinhold Maier, ein besonderes Objekt und Projekt für die Stadtbau ist, merkt man daran, mit wie viel Begeisterung Martin Schmidt von der Historie des Gebäudes erzählt.

Die Historie

1875 errichtete Gottlieb Maier, Vater von Reinhold Maier, das Gebäude. Der Architekt und Stadtbaumeister zeichnete auch für die Grabkapelle verantwortlich. Ursprünglich sah das Gebäude ganz anders aus. Schmidt war so überrascht, als er die ursprünglichen Zeichnungen sah, dass er meinte, es handele sich um ein ganz anderes Haus. Es ähnelte bei seiner Entstehung mehr der Villa Auer, die Maier zwanzig Jahre später entwarf.

1887 und 1898/99 baute der Architekt sein Domizil dann um, fügte Giebel, einen Turm und Schmuckelemente hinzu und verlieh ihm so eine Mischung aus italienischem Barock und französischem Klassizismus. „Diese Elemente gibt es im Remstal kein zweites Mal“, schwärmt Schmidt, „zumindest nicht, dass ich weiß.“ 1946 gab dann auch Sohn Reinhold Maier, über 20 Jahre nach dem Tod des Vaters, Umbauarbeiten, wenn auch weniger prägnante, in Auftrag.

Nun befindet sich das Gebäude im Besitz der Stadtbau und wird ein weiteres Mal umgebaut. Es soll einmal sechs Wohnungen, von denen zwei bereits an bestehende Mieter vergeben sind, beinhalten. 350.000 Euro investiert die Stadtbau Schorndorf GmbH in die Renovierung. Doch das ist es ihr wert. Denn das Reinhold-Maier-Geburtshaus ist schließlich auch ein Teil der Geschichte Schorndorfs.