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Der Chefplaner von Schorndorf


Manfred Beier mit seiner Frau Anna-Maria nach der Verabschiedung.

Mit Standing Ovations verabschiedeten die Besucher und Teilnehmer der letzten Gemeinderatssitzung Manfred Beier in den Ruhestand. Allein das war ein Beweis für die Wertschätzung, die der Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht in der Stadt genießt. Darüber, wie sein Leben verlaufen ist, ist Beier selbst noch erstaunt. „Dass ich mal Chefplaner von Schorndorf werde, hätte ich mir als Schorndorfer Gewächs nie geträumt“, erzählt der 63-Jährige bei seiner Abschiedsrede in der Barbara-Künkelin-Halle. Ursprünglich wollte er nämlich mal Sportlehrer werden.

Und auch wenn er immer leidenschaftlicher Sportler geblieben ist – so macht er regelmäßig ausgedehnte Fahrradtouren, spielt Tennis und Volleyball –, ist er beruflich dann doch andere Wege gegangen. 1986 fing er nach seinem Studium und einem kleinen Zwischenstopp bei der Kommunalentwicklung Baden-Württemberg bei der Stadt Schorndorf als ausgebildeter Diplom-Geograf an. Mittlerweile kann man ihn getrost den „Chefplaner der Daimlerstadt“ nennen, denn Beier hat unzählige Bauvorhaben auf den Weg gebracht und die Entwicklung der Stadt und ihr heutiges Bild so wie selten ein Anderer geprägt.

Dafür hat er viel Mühe und besonders Zeit investiert. Doch wie Beier es mit einem Zitat formuliert: „Wähle einen Beruf, der dir wirklich Spaß macht, und aus dem Hamsterrad wird ein Glücksrad.“ Und so hat er bei der Arbeit nie auf die Uhr geschaut. Außer wenn es um die Mittagspause ging. Denn die verbrachte er mit seiner Familie. „Da hatten die Kinder auch einen Vater“, sagt er, „wenn ich abends schon nicht da war.“ Es sei eine gute Unterbrechung gewesen, in der er seinen Sprösslingen auch bei den Hausaufgaben habe helfen können.

Doch was folgt nun im Ruhestand für den geschäftigen Chefplaner? „Auch für das berufliche Ende braucht es einen Plan“, meint er und erklärt: „Eine Stadt ist nie fertig.“ Weswegen er die Planung für die Internationale Bauausstellung 2027 (IBA) begleiten wird. Und mit Großprojekten kennt er sich aus, hat er doch schon als Prokurist seinen selbsterklärten beruflichen Höhepunkt, die Remstal Gartenschau 2019, begleitet. Aber auch das Fahrradfahren soll nicht zu kurz kommen, kann er sich doch jetzt das Wetter dafür aussuchen. Bei einer Radtour mit Oberbürgermeister Matthias Klopfer hatte es nämlich angefangen zu regnen. Und obwohl er sowieso schon so schnell noch nie von Waiblingen nach Remseck gefahren sei, erzählt der Oberbürgermeister, habe Beier trotzdem noch einen Zahn zugelegt, als der Regen fiel. „Ich bin unglaublich glücklich, Sie 14 Jahre an meiner Seite gehabt zu haben“, betont OB Klopfer. Eine unglaubliche Ortskenntnis schreibt er ihm ebenso zu wie „eine Eselsgeduld.“

Das kann Gabriele Koch, Fachbereichsleiterin Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr, nur bestätigen. Ein hilfsbereiter Kollege, der immer nach einer konstruktiven Lösung suchte, und dabei noch ein freundliches Gesicht bewahrte, sei Beier gewesen. Und Koch muss es wissen, arbeitet sie doch schon so lange mit Beier zusammen, wie dieser in der Stadtverwaltung war: 34 Jahre. So fällt es ihr auch schwer, Adieu zu sagen. „Wir haben immer in die gleiche Richtung gezogen“, sagte sie und fügte dann scherzhaft hinzu: „Bis auf wenige Ausnahmen.“ Beier dankte dann nicht nur ihr für ein „unvergleichliches Tandem“, sondern auch den Bürgermeistern für „eine lange Leine“ sowie dem Gemeinderat, seinem Nachfolger Thorsten Donn und seinen Fachbereichsleiterkollegen. Mit denen ging er dann prompt im Anschluss der Ehrung noch etwas trinken. Schließlich geht man nur einmal in Rente. Wobei … nach der IBA 2027 gibt es sicherlich auch noch Gelegenheit, gemeinsam anzustoßen.