News

Alte Musik, neue Konzertreihe


Im Sommer sollen sieben Konzerte Alter Musik die Menschen aus der Tristesse der Krise ziehen.

Die Covid-19-Pandemie hat das Leben aller auf vielfältige Weisen beeinträchtigt. Jeder muss auf Dinge verzichten, die ihm das Leben versüßen, vieles, das noch vor ein paar Monaten ganz selbstverständlich war, wird heute schwer vermisst. Dazu zählen auch Konzerte. Doch langsam läuft das kulturelle Leben wieder an und auch Live-Musik soll es wieder geben – kleinere analoge Veranstaltungen und Veranstaltungsreihen aller Sparten, die unter Einhaltung der bestehenden Auflagen und rechtlichen Rahmenbedingungen umgesetzt werden können. Dies fördert das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst mit Geldern aus dem Innovationsfonds Kunst. Die Mittel sollen dafür eingesetzt werden, dass die Veranstalter verantwortungsvoll arbeiten und die erforderlichen Vorkehrungen zur Gewährung des Gesundheitsschutzes treffen können.

Das Team hinter der Konzertreihe: Nicole Schock, Rüdiger Kurz und Julia Voit (v.l.).Auch Rüdiger Kurz vermisst Konzerte. Doch nicht nur als Zuschauer, der 46-Jährige ist Berufsmusiker. Seit den 1990ern spielt er durchgängig in diversen Konstellationen Musik. Auch ihn hat die Corona-Krise hart getroffen. In den letzten Monaten erhielt er nur noch Absagen für Auftritte. Die Existenz des Berufsmusikers war bedroht. Doch viele Leute hätten ihn auch gefragt, wie sie ihm in dieser schweren Zeit helfen könnten, erzählt Kurz. „Das hat mich motiviert, eine Idee umzusetzen, die ich schon lange hatte“, so der Musiker: eine „Alte Musik“-Reihe. Alte Musik bezeichnet europäische Musikstile der klassischen Musik aus verschiedenen Epochen vor dem Jahr 1750.

Vor gerade einmal vier Wochen fing Rüdiger Kurz an, diese Reihe zu planen. Dann entdeckte er die Förderung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Sie fördert genau das, was Rüdiger Kurz sich vorgestellt hatte. Also bewarb sich Kurz kurzerhand. Und in der vergangenen Woche kam dann tatsächlich die Bestätigung, dass er die Förderung erhält: genau 16.070 Euro, um Künstler, Reisekosten, Unterkünfte, Räume und Werbung zu bezahlen und um die Corona-Schutzmaßnahmen umzusetzen. Seitdem setzt er Himmel und Hölle in Bewegung, um die Konzertreihe auf die Beine zu stellen. Hilfe hatte er dabei vom Verein Art meets Art, Nicole Schock und Julia Voit.

Nun steht der Plan und es wird insgesamt sieben Konzertabende mit je zwei 45-minütigen Kammerkonzerten geben, denen jeweils 20 Personen im Röhm, Weilerstraße 6, beiwohnen können.

Die Konzerte

  • Los geht es am Freitag, 10. Juli, um 18.30 Uhr und 20.30 Uhr mit „È Pazzo Il Mio Core“, frühbarocken italienischen Kantaten von Barbara Strozzi und anderen, vorgetragen von Marie-Sophie Pollak (Sopran), Flóra Fábri (Cembalo) und Rüdiger Kurz (Violone) selbst.
  • Darauf folgt am Freitag, 17. Juli, um 18.30 Uhr und um 20.30 Uhr „Adieu mes Amours“, traumhafte Consort-Musik der Renaissance aus Frankreich und England mit Stefan Steinemann (Altus), Patrick Sepec (Viola da Gamba), Friederike Däublin (Viola da Gamba) und Rüdiger Kurz (Viola da Gamba).
  • Am Samstag, 25. Juli, bringt das Zeitsprung Consort, bestehend aus Daniel Kartmann (Stimme und Schlagwerk), Johannes Vogt (Laute) und Rüdiger Kurz (Violone) mit „Die Fünf Priameln“ um 18.30 Uhr und um 20.30 Uhr Musik des in Schwäbisch Gmünd gebürtigen Lautenvirtuosen Hans Judenkünig im Kontext mit zeitgenössischen Improvisationen auf die Bühne.
  • Weiter geht es am Freitag, 7. August, um 18.30 Uhr und 20.30 Uhr, mit „Maqamat“, alter arabischer Maqam und zeitgenössischer Improvisation von Mustafa Said (Gesang, Oud) und Joss Turnbull (Percussion).
  • Kaffee-Kantate von Johann Sebastian Bach gibt es am Sonntag, 16. August, um 18.30 Uhr und 20.30 Uhr mit „Schweigt stille, plaudert nicht/ Kaffee-Kantate“, vorgetragen vom Athos Ensemble.
  • Ebenfalls von Johann Sebastian Bach stammen die „Goldberg-Variationen“, die Flóra Fábri (Cembalo) am Samstag, 22. August, um 18.30 Uhr und 20.30 Uhr interpretiert.
  • Den Abschluss der Reihe macht „Les Joyes des Elizées“, feinste, virtuose französische Gambenmusik von Saint Colombe, Marais und Forqueray. Am Sonntag, 6. September, um 18.30 Uhr und 20.30 Uhr gespielt von Paolo Pandolfo (Viola da Gamba) und Amélie Chemin (Viola da Gamba).

Kartenvorverkauf

Aufgrund der aktuellen Covid-Schutzmaßnahmen sind Karten zum Preis von 20 Euro ausschließlich im Vorverkauf telefonisch oder elektronisch via Mail bei Nicole Schock erhältlich, E-Mail: hello@artmeetsart.de, Telefonnummer: 0171 4011162.

Rüdiger Kurz sieht die Konzertreihe als Chance, die Tristesse der Corona-Beschränkungen für ein Konzert zu vergessen. Ihm war es wichtig, die Musik nicht übers Internet zu streamen, sondern vor Ort und Menschen zu spielen. „Ein Konzert hängt zu 50 Prozent vom Publikum ab“, sagt er. „Es lebt davon, was in der Situation passiert. Bei unseren Auftritten sind wir wirklich da. Das ist das, was wir Menschen jetzt brauchen.“

Und so sieht das auch Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer: „Ich freue mich sehr, dass die Leute - wenn auch in einem kleineren Rahmen mit genügend Sicherheitsabstand und Hygienmaßnahmen - zusammenkommen und live Musik erleben können. Wir alle brauchen ein bisschen Ablenkung in diesen besonderen Zeiten.“