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Der erste Michelin Stern für Schorndorf


Nico Burkhardt trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

Eigentlich tragen sich ins Goldene Buch der Stadt Schorndorf nur Politiker, Minister oder beispielsweise Botschafter ein, die zum ersten Mal in der Daimlerstadt zu Besuch sind. Ob Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble oder Baden-Württembergs Bildungsministerin Susanne Eisenmann, sie alle haben sich dort schon verewigen dürfen. Doch für Oberbügermeister Matthias Klopfer ist es auch eine Herzensangelegenheit erfolgreiche Athleten oder, wie im Fall von Nico Burkhardt, erfolgreiche Köche, mit einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt zu würdigen. „Das ist für uns eine Form, Danke zu sagen“, betont OB Klopfer. „Dieses Buch dokumentiert auch einen wichtigen Teil unserer Stadtgeschichte.“ Es ist erst das zweite Buch der Stadt, das nach dem zweiten Weltkrieg eingeführt wurde. Gespendet wurde es von dem erst kürzlich verstorbenen Ehrenbürger Dr. Werner Lempp.

Die Auszeichnung mit dem Michelin Stern für das Gourmetrestaurant Nico Burkhardt.Sternekoch Nico Burkhardt staunt nicht schlecht, als OB Klopfer ihm zeigt, wer alles schon in der Stadt zu Besuch war. Umso mehr fühlt er sich geehrt, sich hier ebenfalls verewigen zu dürfen. „Es ist der erste Stern für Schorndorf und wir freuen uns, dass Sie im Herzen der Stadt Ihr Restaurant eröffnet haben“, so Klopfer.

Nico Burkhardt ist kein ungeschriebens Blatt, was die Auszeichnung mit einem Michelin Stern betrifft. 2011 bekam er im Alter von 27 Jahren als Küchenchef des Restaurants Olivio in Stuttgart zum ersten Mal die begehrte Trophäe. 2018 eröffnete er dann sein eigenes Restaurant im Herzen von Schorndorf und musste sich von Neuem den Kritikern stellen. Für Nico Burkhardt ist auch diese zweite Auszeichnung „wie ein Ritterschlag.“ Er betont, wie viel harte Arbeit dahintersteckt. Zumal der 36-Jährige in seinem Gourmetrestaurant ganz alleine hinterm Herd steht. Seine Verlobte Bianca Vergeraki arbeitet als Assistant Managerin im Restaurant und Hotel Pfauen mit.

Die Ideen für seine ausgefallenen Menüs hat er zu Hause auf dem Sofa. „Manchmal fällt ihm aber auch während er kocht noch etwas ein und dann wird spontan umgeplant“, erzählt seine Verlobte. Und so gibt es dann als Amuse-Gueule, also als Gruß aus der Küche, auch schon mal eine Gänseleberpastete auf einer Zahnbürste serviert. Auch ein Mini-Trabbi oder eine Mini-Badewanne wurden schon für einen Menü-Gang verwendet. „Ich möchte die Gäste auf eine Reise mitnehmen und einen Wow-Effekt schaffen. Die positiven Rückmeldungen zeigen, dass mir das sehr gut gelingt“, sagt Nico Burkhardt.

Die aktuelle Corona-Situation hat auch vor dem Hotel/Restaurant Pfauen und dem Gourmetrestaurant Nico Burkhardt nicht Halt gemacht. Fast alle Mitarbeiter sind derzeit in Kurzarbeit und die Übernachtungszahlen sind weiterhin überschaubar. Zwar sei der To Go-Verkauf während der Corona-Schließung gut gelaufen, jetzt komme es aber darauf an, dass die Gäste auch nachmittags und abends wieder ins Restaurant gehen möchten. Nur so kann der Umsatz angekurbelt werden.

Das kleine Bistro Chez Amis, das Nico Burkhardt ebenfalls in Schorndorf betreibt, bleibt weiterhin geschlossen, da die Abstandsregeln dort nicht eingehalten werden können. Alle zwei Wochen wird deshalb jetzt im Restaurant Pfauen die französische Küche aus dem Chez Amis angeboten. „Wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen“, sagt der Sternekoch und ist froh, dass das Verhältnis zu den anderen Restaurantbetreibern in der Höllgasse so familiär ist. „Wir halten zusammen und leihen uns auch mal eine Butter oder Eier aus, wenn gerade nichts mehr vorrätig ist.“
Nico Burkhardt, der im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt aufgewachsen ist und seine Ausbildung im Restaurant Dressler in Berlin absolvierte, wohnt nun mit seiner Verlobten nur wenige Meter von seinem Restaurant in Schorndorf entfernt und beide fühlen sich pudelwohl in der Stadt. „Wenn ich nachts nach getaner Arbeit an den Fachwerkhäusern vorbeigehe, ist das immer wieder eine ganz besondere Atmosphäre“, sagt er.

Ein nächstes Projekt hat er übrigens auch schon: einen zweiten Stern für Schorndorf erkochen. Drücken wir ihm die Daumen!