News

Für die Überzeugung gestorben
75. Todestag von Heinrich Talmon Groß


Dieser Stolperstein vor seinem Wohnhaus erinnert an Heinrich Talmon Groß.

Vor 75 Jahren starb Heinrich Talmon Groß im KZ Dachau. Mehr als neun der zwölf Jahre unter nationalsozialistischer Gewaltherrschaft verbrachte der Sozialdemokrat und Gewerkschaftler Heinrich Talmon Groß als Gegner des NS-Regimes in politischer Haft, ehe er am 20. Februar 1945 im KZ Dachau verstarb.

Der aus einer kinderreichen Arbeiterfamilie stammende Talmon Groß wurde am 2. August 1882 in Neuhengstett bei Calw geboren. 1901 kam der gelernte Zigarrenmacher nach Schorndorf. Hier begann er auch seine aktive politische Arbeit in der Sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften. Von August 1925 bis September 1929 war Talmon Groß Mitglied des Schorndorfer Gemeinderats. Seit April 1921 als hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär des Deutschen Tabakarbeiterverbands beschäftigt, gab Talmon Groß nach seiner Versetzung von Stuttgart nach Heidenheim 1929 sein Gemeinderatsamt auf.

In der turbulenten Sitzung im Vorfeld der Einweihung des neu angelegten Hindenburgplatzes (heute Tuller Platz) am 2. Oktober 1928 vertrat Talmon Groß gegenüber den national-konservativen Positionen deutlich seine politische Überzeugung. Er wandte sich vehement gegen die von Stadtschultheiß Raible vorgestellten Pläne für einen großen Festakt zu Ehren des Reichspräsidenten, der Verbindung zu republik- und demokratiefeindlichen Kräften habe. Zudem kritisierte er, dass im Rathaussaal ein Bild Hindenburgs und General Ludendorffs hänge, was eine Verherrlichung des Krieges darstelle, der nichts anderes als Völkermord sei.

Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand wurde Heinrich Talmon Groß Ende Februar 1933 Opfer einer ersten Verhaftungswelle, die politische Gegner der Nationalsozialisten betraf, insbesondere Kommunisten und Sozialdemokraten. Bis Dezember 1933 war er im Schutzlager Heuberg interniert. Nach seiner Entlassung bestritt er seinen Lebensunterhalt als Reisevertreter für Laichinger Leinenwäsche und als selbständiger Zigarrenmacher. Als Opfer einer Denunziation wurde er am 5. September 1936 in einer Miedelsbacher Gaststätte erneut verhaftet. Hier hatte er sich kritisch über die Schutzhaft und den Reichstagsbrand geäußert. Die folgende Strafe von viereinhalb Monaten Gefängnis wegen politischer Verleumdung verbüßte er in Rottenburg. Bereits am 9. April 1937 wurde er erneut verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Zeitweilig wurde er ins KZ Mauthausen verlegt. Am 20. Februar 1945 verstarb Heinrich Talmon Groß 63-jährig in Dachau.

An Heinrich Talmon Groß erinnert die nach ihm benannte Straße in Schorndorf. Bereits im August 1945 verlieh Bürgermeister Gottlob Kamm der von den Nationalsozialisten zuvor in Sudetenstraße umbenannten Fabrikstraße ihren heutigen Namen. 2009 wurde zu seinem Gedenken ein Stolperstein vor seinem ehemaligen Wohnhaus in der Neuen Straße 23 verlegt.