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Ein spannendes Jahr


Das Team der Stadtbücherei mit Julia Geiger, Fachbereichsleiterin Kommunales (h.l.).

Wie viele Bücher haben die Schorndorfer letztes Jahr gelesen? Sind sie Nutzer der Stadtbücherei, dann waren es rein statistisch gesehen 33 Stück pro Kopf. Doch woher kommt diese Zahl? Die Stadtbücherei hat wieder ihren Jahresbericht vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass das Jahr 2019 ein erfolgreiches für die Bibliothek war – und das trotz Startschwierigkeiten.

Neuer Eingang, neue Software

Im Januar vor einem Jahr war es wegen den Umbauarbeiten am Vorplatz der Volkshochschule noch etwas schwierig gewesen, die Bücherei zu besuchen. Manch einer verirrte sich gar. Dazu kam, dass im selben Monat die Bibliothekssoftware im Hause umgestellt wurde, und es deshalb für anderthalb Wochen geschlossen werden musste. Das spiegelte sich dann auch gleich in den Besucherzahlen wieder. Doch das hielt nicht lange an und die Mühe zahlte sich aus. Eine klarere Wegeführung und eine bessere Sicht auf die Stadtbücherei waren der Lohn für die Umstände. Und Bibliotheksnutzer können mittlerweile kinderleicht online Titel suchen und ausleihen (wir berichteten).

Auf dem Vormarsch

Die Stadtbücherei beherbergt über 50.000 physische Medien in ihren Regalen, die insgesamt über 220.000mal ausgeliehen wurden. Diese physischen Medien teilen sich auf in Printmedien, also Bücher, Zeitschriften und Comics sowie Non-Print-Medien, also CDs, DVDs, Konsolenspiele und Hörbücher. Aber auch Tonies zählen dazu - niedliche Figuren, die eine Geschichte, Musik oder Wissen wiedergeben, wenn man sie auf eine kleine Box stellt.

Im Jahr 2019 hatte die Stadtbücherei an 244 Tagen geöffnet. Es kamen über 65.000 Besucher. Stärkster Monat war der August, da in den Sommerferien gerade Kinder, aber auch Erwachsene viel Zeit zum Lesen haben. Die meisten aktiven Nutzer sind tatsächlich Kinder und Jugendliche. Aber auch eine andere Gruppe ist auf dem Vormarsch. 2019 verzeichnete die Stadtbücherei 940 Neuanmeldungen. 140 davon waren 60 Jahre und älter. Seit 2016 ist die Zahl der über 60-jährigen Nutzer um 40 Prozent gestiegen. „Eine tolle Entwicklung, da ja gerade Rentner die Zeit zum Lesen haben“, meint Marianne Seidel, Leiterin der Stadtbücherei.

Online rückt in den Fokus

Und auch online geht es bergauf. Seit 2016 hat sich nicht nur der Gesamtbestand an eMedien, sondern auch die Zahl der Ausleihen derer verdoppelt. 33 Prozent mehr Schorndorfer als noch 2018 nutzen dieses Angebot. Die Büchereien haben pro Einwohner 18 Cent für digitale Ausleihen zur Verfügung. „Immerhin 3 Cent mehr als noch zuvor“, betont Marianne Seidel. „Es muss sich aber trotzdem noch steigern.“ Denn Verlage verkaufen Artikel in Einheiten von um die 50 Verleihungen. Sind diese erschöpft, muss der Artikel entweder aus dem Sortiment genommen oder neu gekauft werden. „Bei einem beliebten Artikel ist das schnell erreicht. Dann wird es teuer.“

Die Stadtbücherei verfügte 2019 über einen Medienetat in Höhe von 80.000 Euro. Davon nutzte die Ortsbücherei Weiler 3.000 Euro. 6.000 Euro allein waren nur für die Anschaffung von Zeitschriften nötig. „Wir haben eine Erneuerungsquote von zehn Prozent“, sagt Marianne Seidel. Veraltete und kaputte Medien werden ausgesondert. Laufende Neuanschaffungen halten das Angebot aktuell. Das bedeutet, dass 5.900 neue Titel gekauft und 8.900 alte Artikel verkauft wurden. „Der Sachbuchbereich wird schlanker. In den letzten 10 Jahren ist er um 30 Prozent geschrumpft. Das kommt einfach vom veränderten Nutzungsverhalten der Menschen. Heutzutage schlagen die Leute lieber online nach“, erklärt die Leiterin der Stadtbücherei. Das bemerkt man auch an den zwei Internetplätzen mit Druckmöglichkeit im Haus. Diese wurden im letzten Jahr 770mal genutzt. Und auch das freie WLAN ist ein Dauerbrenner.

Die Ausleihhits

Die Ausleihhits 2019 im Bereich Print waren der Do-it-yourself-Ratgeber „Herzlich Willkommen - Zauberhafte Deko für den Hauseingang“, der Thriller „Der Insasse“ von Sebastian Fitzek und das Comicbuch „Landlust! Jetzt ist Erntezeit“. Im Non-Print-Bereich waren die DVDs „Avengers: Infinity War“ und „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“ sowie die Hörbücher „Die drei ??? Kids - Schokofalle“ und „Schlafe für immer“ die beliebtesten Artikel. Und auch das Brettspiel „Deckscape - Der Test“, ein Escape Room für die Hosentasche, erfreute sich großer Beliebtheit bei den Büchereibesuchern.

Harry Potter und der Escape Room

Dass das Thema Escape Room gut ankommt, merkte die Besatzung der Stadtbücherei bei ihrer eigenen Version des Spiels, in dem man aus einem verschlossenen Raum entfliehen muss. In diesem Fall handelte es sich um einen vom Harry-Potter-Universum inspirierten Escape Room. Die Mitmacher mussten sich aus der fantasievoll gestalteten Bibliothek der Zauberschule Hogwarts befreien, indem sie knifflige Rätsel lösten. Das Konzept, eigentlich für junge Erwachsene ab 16 Jahren angelegt, erfreute sich - für das Team der Stadtbücherei überraschend - aber auch bei älteren Besuchern großer Beliebtheit. „Da war schon auch mal eine 5 davor“, erzählt Marianne Seidel entzückt mit Bezug auf das Alter der Teilnehmer. Das Konzept erfreute sich so großer Beliebtheit, dass die Stadtbücherei Schorndorf sogar Anfragen danach von Bibliotheken aus ganz Deutschland erhielt. „Das ist aber viel zu komplex, um es einfach so weiterzugeben“, meint Marianne Seidel. Den Harry Potter Escape Room wird es also erstmal weiterhin nur in Schorndorf geben. Und in Zukunft sollen auch noch mehr Veranstaltungen für Erwachsene zum Angebot hinzukommen. Denn die meisten richten sich bislang an die jungen Leser. Für Kinder gab es letztes Jahr 77 Veranstaltungen, die 1.324 kleine Schorndorferinnen und Schorndorfer besuchten. Ein großer Teil davon waren Leseförderungen. Aber es gibt auch noch mehr für die Kleinen. Mit einer erneuten Spende von Spielen im Wert von 2.500 Euro konnte der Freunde der Stadtbücherei e.V. das Sortiment auf 400 Titel erweitern. Der Verein, den es erst seit 2014 gibt, hat insgesamt bereits 8.500 Euro an die Stadtbücherei gespendet. Mit so einer Unterstützung kann die Zukunft ja nur rosig werden. Man darf also gespannt sein, was der Jahresbericht 2020 verraten wird.