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Ein Leben für Handwerk und Ehrenamt


Roland Wöhr (rechts) ist neuer Ehrenbürger der Stadt Schorndorf.

Beim Neujahrsempfang 2020 verlieh Oberbürgermeister Matthias Klopfer im Namen des Gemeinderats das Ehrenbürgerrecht an Roland Wöhr. Die höchste Auszeichnung der Stadt erhielt der 75-jährige in Anerkennung seiner besonderen Verdienste, insbesondere für sein jahrzehntelanges vorbildliches Wirken als Kreishandwerksmeister im Rems-Murr-Kreis, in der Handwerkskammer Region Stuttgart und im EU-Projekt „Team Volterra“ sowie für seinen außerordentlichen ehrenamtlichen Einsatz bei der Sanierung der Schorndorfer Stadtkirche und bei der Freiwilligen Feuerwehr Schorndorf und deren Oldtimerfreunden. Das jahrzehntelange, kontinuierliche, berufliche und ehrenamtliche Engagement in örtlichen aber auch überörtlichen Organisationen nannte Klopfer „außerordentlich und besonders vorbildlich“. In seiner Laudatio ließ er die wichtigsten Stationen in Wöhrs Leben Revue passieren.

In Göppingen geboren

Im März 1944 wird Wöhr in Faurndau, Kreis Göppingen, geboren. Doch schon im Alter von zwei Jahren zieht seine Familie nach Schorndorf. Im April 1958, also mit gerade einmal 14 Jahren, beginnt er bei Karl Holtz in Schorndorf eine Schlosserlehre. Eine Entscheidung, die sein restliches Leben bestimmen wird. 1961 legt er die Gesellenprüfung ab, 1971 die Meisterprüfung.

Am 1. Januar 1979 übernimmt Wöhr die Schlosserei von Karl Holtz. Erst 2012 übergibt er sie an seinen Nachfolger Viktor Steinhauer. „Endgültig abgemeldet haben Sie Ihr Gewerbe aber erst am 20. April 2018, nach genau 60 Jahren Tätigkeit im Handwerk“, verriet Klopfer.
Denn Roland Wöhr liebt das Handwerk. Ab der Betriebsübernahme der Schlosserei ist er Mitglied in der Metall-Innung Waiblingen, in der er sich in mehreren Positionen, inklusive Obermeister, engagiert. Auch im Handwerksverband Metall Baden-Württemberg, der Kreishandwerkerschaft Rems-Murr, der Handwerkskammer Region Stuttgart und vielen weiteren handwerklichen Institutionen ist er aktiv. Ausbildung und Fortbildung sind ihm stets wichtig. Nicht nur in seinem eigenen Betrieb macht er sich dafür stark, sondern auch in seiner Tätigkeit als Vizepräsident der Handwerkskammer und als Kreishandwerksmeister.

Seine Leidenschaft fürs Handwerk erstreckt sich selbst über die Grenzen Deutschlands hinaus. „Europa war und ist für Sie keine leere Worthülse, sondern eine Herzensangelegenheit“, sagte Matthias Klopfer. Denn Wöhr betreut jahrelang das europäische Weiterbildungsprojekt „Leonardo da Vinci“ (heute „Erasmus“) für Handwerksgesellinnen und -gesellen in Volterra. Für die Freundschaft und die langjährige Unterstützung des Projektes erhält Wöhr das Ehrendiplom der kleinen Stadt in der Toskana.

Und in seiner Heimatstadt führt er seine Leidenschaft ehrenamtlich fort. Seit 2012 ist er Leiter der Bauhütte der Stadtkirche Schorndorf und Vorsitzender des Bauausschusses der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Schorndorf. Er kümmert sich um alle baulichen Themen, die die Gebäude der Gesamtkirchengemeinde betreffen. Die Innensanierung der Stadtkirche Schorndorf macht er von der Planung im Jahr 2012 bis zur Fertigstellung im November 2014 zu „seinem“ Projekt. „Als Mann der Tat waren Sie täglich mit vor Ort, haben mit angepackt, gesteuert, gelenkt, überwacht - kurzum: alle Fäden liefen bei Ihnen zusammen“, lobte Klopfer Wöhrs Engagement. Und das nächste Projekt steht schon an: die Dachstuhlsanierung der Stadtkirche.

Aber auch an anderer Stelle prägt Wöhr das Gesicht der Stadt. „Ohne Sie wäre unser Stadtbild in der historischen Innenstadt ärmer“, sagte Klopfer. Denn Wöhr fertigt neue Ausleger für die Schorndorfer Traditions-Gasthäuser „Pfauen“, „St. Urban“ und „Harmonie“ an. Für „Elefanten“, „Ochsen“, „Löwen“ und „Becka-Kurze“ restauriert er sie. Und Marktbrunnen, Hirschbrunnen, Turmkreuz sowie dem Hahn der Stadtkirche und dem Kirchenkreuz Weiler verleiht er neuen Glanz. Auch bei zahlreichen Kunstprojekten arbeitet er aktiv mit. Darüber hinaus ist er von 2012 bis 2018 Mitglied im Stiftungsrat der Bürgerstiftung Schorndorf.

Die meiste Energie steckt Roland Wöhr jedoch wahrscheinlich in die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Schorndorf. 1959 tritt er in die Jugendfeuerwehr ein, drei Jahre später wird er in die aktive Wehr übernommen. Stetig bildet er sich fort. 1979 wird er Abteilungskommandant der Stadt. Ganze zehn Jahre hat er dieses Amt inne. Das bedeutet, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag erreichbar zu sein. Und das als Firmeninhaber. Nur dank seiner verständnisvollen Familie kann er diese Herkulesaufgabe meistern. Darum bedankte sich Oberbürgermeister Klopfer auch bei Wöhrs Frau Renate mit einem Blumenstrauß dafür, „dass sie das mitgetragen und aufgefangen hat“. 1989 gründet er die Alterswehr in Schorndorf. Seit 1996 ist er Mitglied bei den Oldtimerfreunden der Freiwilligen Feuerwehr. Hier leitet er den Bau der neuen Fahrzeughalle, die im Hammerschlag entstehen soll.

Viele Ehrungen

Im Laufe seines Lebens erhielt Roland Wöhr schon einige Ehrungen, darunter die goldene Ehrennadel der Handwerkskammer Region Stuttgart, die Deutsche Feuerwehrmedaille und das Bundesverdienstkreuz am Bande. Zu dieser Liste gesellt sich nun das Ehrenbürgerrecht der Stadt Schorndorf. „Ich bin mir sicher, dass das Ehrenbürgerrecht Ihrer geliebten Heimatstadt Sie ganz besonders freut und auch ein bisschen mit Stolz erfüllt“, sagte Klopfer und scherzte dann: „Auch wenn Sie es wahrscheinlich eher als Verpflichtung zum Weitermachen denn als Privileg betrachten.“

Nach einem stehenden Applaus des ganzen Saales sprach dann auch der Mann der Stunde selbst. Wöhr dankte Klopfer zur Erheiterung der Anwesenden ganz trocken für seine Laudatio, die er über sich „ergehen lassen musste“ und sagte dann: „Da wird einem ganz mulmig, wenn man hört, was man so alles gemacht hat.“ Einen herzlichen Dank sprach er dann aber doch noch dem OB und dem Gemeinderat aus, der seine Ehrenbürgerschaft einstimmig beschlossen hatte. „Das gab’s noch nie zuvor, wie ich gehört habe. Danke dafür.“ Im Anschluss hielt Wöhrs langjähriger Freund, Künstler Robert Schad, noch eine sehr persönliche Lobrede auf ihn, und die Big Band der JMS spielte auf Wöhrs Wunsch die Europahymne. Ganz im Sinne dieses Verfechters der EU.