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Der Schritt in die digitale Zukunft


Jung erklärt Alt: Der Digital-Kompass hilft beim Verstehen von Computern.

„Früher gaben die Alten ihr Wissen an die Jungen weiter, heute ist es vielfach umgekehrt“, sagt Dr. Heinz-Jürgen Kopmann vom Seniorenforum beim ersten Digital-Kompass in Schorndorf und bringt damit das Thema Digitalisierung auf den Punkt. Er repräsentiere eine Generation, für die es nicht selbstverständlich sei, mit Rechnern und Smartphones umzugehen. Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich ergänzt mit Blick auf die Anwesenden: „Ganz wenige hier sind mit der Technologie aufgewachsen. Man staunt, was die jungen Leute alles können.“ Dann ermutigt er sie, dem Fortschritt zu folgen: „Wir Älteren dürfen uns nicht abhängen lassen.“ Auch Kopmann sieht das so. Seinen Altersgenossen sagt er: „Wagt den Schritt in die digitale Zukunft!“ Die Vorteile vom Chatten über WhatsApp, dem direkten Kontakt über weite Entfernungen via Skype oder die Recherche im Internet seien zu groß, um sie nicht zu nutzen.

Guido Steinke hielt seinen Vortrag via Internet, Lothar Poloczek (vorne) richtete die Technik ein.„Digitalisierung ist ein Zukunftsthema“, erklärt Edgar Hemmerich. „Darum haben wir dazu auch eine neue Stabsstelle eingerichtet. Wir müssen eine Strategie entwickeln, die den Bürgern mehr ermöglicht, als nur Formulare online auszufüllen.“ Dass sie dabei Hilfe von der nächsten Generation brauchen, ist ihm klar. Doch wie kann man sich von den Jüngeren helfen lassen?

Ein gutes Beispiel dafür ist der Digital-Kompass. Er ist ein gemeinsames Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren Organisationen (BAGSO) und Deutschland sicher im Netz e.V. und wird durch das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz gefördert.
Digital-Kompass-Standorte sind lokale Anlaufstellen für Menschen, die Unterstützung im Umgang mit digitalen Medien und Geräten suchen. Sie bieten vielfältige Informations- und Dialogangebote und unterstützen ältere Menschen im souveränen Umgang mit dem Internet. Sie sind zugleich Anlaufstelle für Internetlotsinnen und -lotsen, die sich weiterbilden und ihr Wissen besonders an Ältere weitergeben möchten. Der Digital-Kompass richtet sich somit an alle ehrenamtlich und hauptberuflich Engagierten, die älteren Mitmenschen die Chancen des Internets näher bringen.

Schorndorf ist als einer der ersten 75 Standorte in Deutschland ausgewählt worden. Unter der Federführung von Mentoren des Seniorenforums und des Familienzentrums und unter Mitwirkung von Sozialpraktikanten, Studenten und Auszubildenden der Firma Peter Hahn existiert dieses Programm jedoch auch schon seit 2012 unter dem Namen „Ü50 online“.

Simone Halle-Bosch vom Familienzentrum sagt dazu: „Es ist ein niederschwelliges Angebot. Interessierte können einfach mal mit Fragen auftauchen.“ Vierundzwanzig Azubis und Studenten der Firma Peter Hahn engagieren sich zweimal im Monat für einen halben Tag. Sie werden bezahlt freigestellt. Es handelt sich dabei um ein soziales Kurzpraktikum. Sie sind dienstags und donnerstags da.

„Unsere Leute wissen nie, was sie erwartet, und lernen dadurch, flexibel mit Fragen umzugehen“, erklärt Manuela Streich von Peter Hahn. Doch was sind das für Fragen? Zum Beispiel, wie man die Urlaubsfotos auf dem Rechner sortiert. Für die ums Millenium Geborenen kein Problem, für ältere Semester eine echte Herausforderung.

Zum Abschluss des ersten Digital-Kompass hält dann Guido Steinke vom VERBRAUCHER INITIATIVE e. V. auch noch den ersten digitalen Stammtisch in Schorndorf. Thema ist die Nachlassvorsorge im Internet. Persönlich anwesend ist Steinke nicht, dafür aber - passend zum Thema - per Skype-Liveübertragung auf dem Rechner des Familienzentrums zu hören und zu sehen. Wobei er selbst zunächst einmal nichts sieht. Den guten alten Vorführeffekt beseitigt der eifrige Lothar Polozcek vom Familienzentrum jedoch schnell. Und dann gibt es Tipps, wie man den Zugang zu seinen Konten im Internet schließt. Man solle seine Passwörter einer Person, der man vertraut, geben oder ihr den Zugriff auf die Passwörter nach dem eigenen Ableben ermöglichen, erklärt Steinke. Zu den Konten solle man schreiben, was mit ihnen nach dem Tod geschehen soll. Der Bevollmächtigte kann dann das Konto löschen, ohne sich legitimieren zu müssen. Solche Infos gibt’s eben nur von Profis.