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Waldsterben macht auch vor Schorndorf nicht Halt


Die Stadträte im Wald.Immer wärmere Sommer, immer weniger Niederschlag, gefährliche Pilzsorten und Schädlinge wie der Borkenkäfer setzen dem Deutschen Wald von Jahr zu Jahr mehr zu. Auch der Schorndorfer Stadtwald ist von dieser Entwicklung mittlerweile betroffen. Förster Julian Schmitt hat in diesem Sommer Alarm geschlagen. 75 Prozent der zu fällenden Bäume waren Schadholz, normal sind 20 Prozent pro Jahr. Neben Fichten und Eschen sind erstmals auch besonders viele Buchen betroffen. Schimmel und Weißfäule haben ihnen zugesetzt. Damit sich der Gemeinderat ein eigenes Bild von der Situation machen kann, hat Förster Schmitt zu einer Rundtour eingeladen. Was die Teilnehmer zu sehen bekommen, ist ernüchternd. Gefällte Bäume, kahle Waldflächen und Kulturlandschaften, in denen sich vor allem die Brombeere ausgebreitet hat. Die Folgen sind in vielerlei Hinsicht verheerend. Die „gesunden“ Bäume bekommen durch die Fällungen deutlich mehr Sonne ab und kriegen schlichtweg Sonnenbrand. Die Waldarbeiter sind einem immer größeren Risiko von herabfallenden Ästen und Bäumen ausgesetzt und das Holz ist nichts mehr wert.

Aufforstung kostet Geld


Im Stadtwald wird fleißig aufgeforstet.Immer mehr schadhafte Bäume müssen gefällt werden.Die Stadt muss daher viel Geld in die Hand nehmen, um all das zu pflegen und wieder neu zu bepflanzen, was in den letzten Jahren zerstört wurde. 70.000 Euro mehr als noch vor einem Jahr hat Förster Schmitt für das Jahr 2020 angefordert hat. „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf für unseren Wald“, sagt Bürgermeister Thorsten Englert und sieht ebenfalls dringenden Handlungsbedarf. An einigen Stellen wurde mit der Aufforstung schon begonnen. 950 Douglasien wurden auf einer Fläche bereits gesetzt, Mulch zur Vorbereitung in einem anderen Bereich aufgeschüttet. „In der Baumauswahl müssen wir uns dem Wetter anpassen. Douglasien oder auch Esskastanien sind deutlich robuster und vertragen Trockenheit und Hitze besser“, erläutert Julian Schmitt. Damit legt er wichtige Grundsteine für die nächsten Jahrzehnte und hofft, dass 2030 oder 2040 wieder mehr und vor allem gesündere Bäume im Schorndorfer Stadtwald anzufinden sind. Nachdenklich treten die Teilnehmer den Rückweg an. „Ich denke wir sind uns alle heute nochmal bewusst geworden, welche Verantwortung wir für die nächsten Generationen tragen“, sagt Oberbürgermeister Matthias Klopfer zum Abschied.

Förster Julian Schmitt (l.) informiert über den Zustand des Waldes.