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Tulle und Schorndorf feiern Goldene Hochzeit


M. Barrate, T. Röder, OB Klopfer und sein Tuller Amtskollege B. Combes (v.l.) erneuern den Freundschaftsvertrag für die deutsch-französische Partnerschaft.

Vor 50 Jahren wurde die Partnerschaftsurkunde zwischen Schorndorf und der französischen Stadt Tulle offiziell unterzeichnet. Anfang Juni dieses Jahres wurde bereits in Schorndorf das Jubiläum gebührend gefeiert. Die französischen Gäste kamen in den Genuss der Remstal Gartenschau und neben dem Festabend waren das gemeinsame Konzert der katholischen Kirchenchöre und das Gedenken an die Opfer der Massaker in Tulle und Oradour auf dem alten Friedhof Höhepunkte der Feierlichkeiten. Zur Gegeneinladung und dem Jubiläumsfestakt Mitte Oktober fuhr eine rund 40-köpfige Schorndorfer Delegation mit Oberbürgermeister Matthias Klopfer, weiteren Vertretern aus der Verwaltung, dem Gemeinderat, des Partnerschaftsvereins und des Akkordeon-Orchesters Urbach-Plüderhausen-Haubersbronn in das knapp 1.000 Kilometer entfernte Tulle.

Zukunft des Austauschs

Thomas Röder übergibt im Namen des Partnerschaftvereins eine Holz-Skulptur. Das Festwochenende in Tulle stand im Zeichen der Akkordeonmusik und der zukünftigen Zusammenarbeit der beiden Partnerstädte. In Tulle findet sich die älteste Akkordeonfabrik „Maugein Frères“, die mehr als 90 Jahre Erfahrung in der Entwicklung, Herstellung, Wartung und Restaurierung der Tasteninstrumente aufweist und die durch einen Teil der Delegation besichtigt werden konnte. Selbstverständlich präsentierten die Tuller und Schorndorfer Akkordeonspieler auch bei einem Konzert ihr musikalisches Können und begeisterten das Publikum mit einem gemeinsamen Schlusslied, dirigiert von Petra Penz.

Ein weiterer Programmpunkt war der deutsch-französische Austausch an vier runden Tischen. Hierbei diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die zukünftige Zusammenarbeit im Bereich der Wirtschaft oder der Schüler- und Jugendaustauschprogramme. Auch wurde die Idee einer in Tulle ab 2020 alle zwei Jahre stattfindenden Biennale zur Lokalgeschichte, unter Einbindung der Partnerstädte vorgestellt. Außerdem wurde die Tuller Initiative „Club 20“ präsentiert. Mit diesem sollen junge Tuller und Schorndorfer angesprochen werden, Europa und insbesondere die Partnerstädte zu entdecken, zu reisen. Der Austausch und die Partnerschaft sollen lebendig gehalten und für junge Menschen attraktiv gemacht werden. Der junge Student aus Tulle, Yoann Surdol, und Pierre Courteix von der Tuller Rathausverwaltung und Engagierter im Partnerschaftsverein, treiben dieses Projekt leidenschaftlich voran.

Ein weiterer Programmpunkt während des Festakts waren kurze Erfahrungsberichte junger Tuller Schülerinnen und Schüler, die bereits einen Schüleraustausch mit dem Max-Planck-Gymnasium oder einer anderen Schule in Deutschland absolviert haben. Ein aus Syrien stammender und nun in Tulle lebender junger Auszubildender und angehender Koch berichtete dem Publikum von seinen Fluchterfahrungen, seinem Werdegang in Tulle und schließlich seinem Praxisaufenthalt und Praktikum im Schorndorfer Restaurant Courage, das durch das von der Europäischen Union geförderte Bildungsprogramm ERASMUS ermöglicht wurde. Mehr als ein Jahrzehnt findet bereits ein solcher Praxisaufenthalt junger Köche und Bäcker des Centre de Formation (Ausbildungszentrum mit Sitz in Tulle) in Schorndorf statt.

Friedensstiftende Partnerschaft

Auf der Partnerschaftsbrücke: Gedenken an den Tuller Freund Guy Jean-Pierre Plas.Nach dem Massaker in Tulle und Oradour 1944 und nach Ende des Zweiten Weltkriegs war es alles andere als selbstverständlich, dass eine solche deutsch-französische Freundschaft entstehen und wachsen konnte. Der 1969 unterzeichnete Partnerschaftsvertrag zwischen der Stadt Tulle und Schorndorf in Deutschland konkretisiert die erste Annäherung der Präfektur der Corrèze mit einer europäischen Stadt und ist eine der ersten Städtepartnerschaften zwischen einer Gemeinde im Limousin mit einer deutschen Gemeinde. So dankte der Tuller Bürgermeister Bernard Combes den Partnerschaftsvereinen und allen beim Austausch Engagierten für ihren unermüdlichen Einsatz und „die ununterbrochene Aufrechterhaltung der Flamme der Brüderlichkeit“.

Einer dieser herausragenden und jahrzehntelang Engagierten war der im vergangenen Jahr verstorbene Guy Jean-Pierre Plas. Zum Andenken an ihn wurde eine Gedenktafel auf einer Fußgängerbrücke, die den Namen „Brücke der Partnerstädte“ trägt, angebracht. Darauf befindet sich ein nachdenkliches und in Zeiten des Rechtsrucks in den europäischen Mitgliedsstaaten mahnendes Zitat von Guy Jean-Pierre Plas: „Sind die Partnerschaftsvereine die letzten Mohikaner für ein Europa der Bürger? Ich glaube immer noch an die friedensstiftenden Partnerschaften. Lasst uns weiter die Friedenspfeife der Partnerschaften rauchen“.

Symbole der Freundschaft

Bereits in Schorndorf und nun so auch in Tulle, wurden erneut Partnerschaftsurkunden unterschrieben. Oberbürgermeister Matthias Klopfer betonte in seiner Rede: „Partnerschaften und Freundschaften wollen und müssen ständig gepflegt werden. Gute Vertrauensverhältnisse sind nicht selbstverständlich. Jede Generation muss sich engagieren, muss neugierig sein, muss diese Beziehung leben. Unser gemeinsames Ziel ist es, zu einem Europa des Friedens beizutragen.“ Auch Klopfer bedankte sich bei allen Engagierten für ihren Einsatz für die deutsch-französische und europäische Freundschaft. „Es lebe unsere Freundschaft und unser Europa. Lassen Sie uns gemeinsam Frieden feiern und diesen wahren“, so Klopfer.

Anlässlich des Jubiläums hat das Archiv der Stadt Tulle eine umfangreiche Broschüre mit zahlreichen historischen und aktuellen Fotos und Berichten rund um die deutsch-französische Partnerschaft veröffentlicht und diese ihren Schorndorfer Gästen ausgehändigt. Der Schorndorfer Partnerschaftsverein hat den französischen Freunden als Zeichen der Verbundenheit eine Holz-Skulptur der Schorndorfer Künstlerin Ebba Kaynak überreicht. Die Stadt Schorndorf hat Tulle als Jubiläumsgeschenk drei der Daimlerfiguren des Künstlers Ottmar Hörl geschenkt.

Entdecken auch Sie Tulle

Wer sich für Tulle interessiert und noch nie da gewesen ist, hat aktuell noch bis Sonntag, 17. November die Gelegenheit die französische Partnerstadt bei der Sonderausstellung „Entdecken Sie Tulle - À la découverte de Tulle“ im Stadtmuseum kennenzulernen.
Weitere Informationen zur Ausstellung finden sich online auf der Webseite des Stadtmuseums Schorndorf unter www.stadtmuseum-schorndorf.de.