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Schorndorfer Schornsteinsprengung


Der Schornstein fällt.

Baum - äh, Turm fällt: Das Pfleiderer-Areal weicht dem neuen Mühlenviertel. Dafür muss es jedoch erstmal abgerissen werden. Da ein alter Schornstein anders nicht abgetragen werden konnte, wurde er gesprengt. 3,2 Kilogramm Sprengstoff haben das 38 Meter hohe Ungetüm zu Fall gebracht. Am Drücker war eine Frau.

Countdown

PunktlandungDer Countdown erschallt über die gegenüberliegende Wiese: „3 - 2 - 1!“ Stille. Die wartende Menge blickt gebannt auf das alte Pfleiderer-Areal. Abbruchreife Gebäude umringen den fast vierzig Meter hohen Schornstein aus roten Ziegeln. Wie in Zeitlupe neigt sich der Kamin zur Seite. Als er sich in einem 45-Grad-Winkel befindet, bricht er in drei Teile. Zwei Risse haben den Schornstein gedrittelt. Das oberste Stück fällt langsamer als der Rest und knickt nach oben hin ab. Doch bis zum Aufprall bleibt es daran haften. Dann: ein Krachen. Kurz passiert nichts, dann steigt eine Staubwolke auf. Die Sprengberechtigten rennen zum Ort des Aufpralls. Wenig später gibt es Entwarnung. Alles ist gut gegangen. Die Schaulustigen drängen hinter den abgezäunten Bereich und bewundern den gefallenen Koloss. Das Ende einer Ära wurde eingeläutet, eine neue soll folgen.

131 Miet- und Eigentumswohnungen sollen auf dem Gelände des Pfleiderer-Areals entstehen. Mühlenviertel wird das neue Quartier heißen. Ende 2021 sollen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner einziehen können. Doch wer hat den roten Riesen zu Fall gebracht? Eine kleine lockige Frau mit einem markanten Biberacher Dialekt. Hildegard Merkle hat die Sprengung mit ihrem Team genau geplant. „Jede Sprengung – auch eine kleine, die nur das Fundament betrifft – muss immer gleich ernstgenommen werden“, erklärt sie. „Bei Sicherheitsvorkehrungen muss man immer mit dem Schlimmsten rechnen, es kommt auf die kleinste Kleinigkeit an.“ Die Arbeit hat sich ausgezahlt. Der Kamin ist genau so gefallen, wie geplant. Niemand wurde verletzt, nichts ist schief gegangen. „Der Turm war anders nicht abzureißen, daher musste er gesprengt werden“, erklärt Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich. „Da sind wir froh, so eine Partnerin wie Frau Merkle an unserer Seite zu haben. Sie kennt sich einfach aus.“ Ganze 3.000 Sprengungen seit 2003 gehen auf ihr Konto. Ganz alleine hat sie ihr Sprengunternehmen gegründet. Mittlerweile ist auch ihr Sohn ins Handwerk eingestiegen und Sprengberechtigter geworden.