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Agi Schilling wird Schorndorf fehlen


Agi Schilling bei ihrer Verabschiedung aus dem Gemeinderat im September 2017.

Am 15. Juli, nach langer und schwerer Krankheit ist Agnes „Agi“ Schilling verstorben. Über 37 Jahre lang war sie als engagierte und couragierte Stadträtin im Auftrag und zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger tätig und hat mit Leib und Seele sieben ununterbrochene Amtszeiten lang Kommunalpolitik betrieben. Vergangenen Freitag fand auf dem Neuen Friedhof die Trauerfeier statt, wobei eine große Trauergemeinde die Verstorbene auf ihrem letzten Weg begleitete. Oberbürgermeister Matthias Klopfer ließ Agi Schillings Wirken und Wesen in seiner Trauerrede Revue passieren.

Vollblut Kommunalpolitikerin

1976 trat Agi Schilling der CDU bei. 1980 kandidierte sie erstmals für den Gemeinderat und erhielt sogleich ein Mandat. Jeder, der eine Gemeinderatssitzung mit Agi Schilling miterleben durfte, kann bestätigen, dass sie stets leidenschaftlich und ungezähmt mitdiskutiert und gestritten hatte - auch innerhalb ihrer eigenen Fraktion. Schilling selbst war immer stolz darauf gewesen, nie eine Quotenfrau gewesen zu sein. Auch vom vorletzten Listenplatz auf der Liste der CDU hatte sie wieder den Sprung in den Gemeinderat geschafft.

„Sie war berühmt für ihre Zwischenrufe“, erinnert sich auch Oberbürgermeister Matthias Klopfer, der Schilling in seiner 13-jährigen Amtszeit kennen und schätzen lernen durfte. „Als berufstätige Mutter musste sie damals Job, Ehrenamt und Familie organisieren“, so Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Sie war immer eine überzeugte Christdemokratin, auch nach ihrem Wechsel zur FDP/FW-Fraktion. „Sie war immer eine große Befürworterin der Politik unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel“, weiß Klopfer. Nach 20 Jahren in der CDU-Fraktion beschloss Agi Schilling im Jahr 2000 die Fraktion zu wechseln und blieb weiterhin eine erfolgreiche und authentische Kommunalpolitikerin. 2005, im Alter von 58 Jahren, wagte sie auch die Kandidatur für die Landtagswahl. Ihre wichtigsten Themen in der Ratsarbeit waren alle Belange rund um die Innenstadt und die Steigerung der Attraktivität dieser, Kunst und Kultur, Jugend, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und damit auch die Ganztagesbetreuung sowie die Schaffung von Wohnraum.

Seit 2017 hatte Agi Schilling stark mit ihrer Krankheit zu kämpfen und verließ alters- und gesundheitsbedingt im Alter von 70 Jahren dann das Gremium. „Zwei wichtige Entscheidungen wollte Agi Schilling aber unbedingt noch mittragen“, erklärte Klopfer. Für die Entscheidung zum Standort der neuen Stadtbücherei (am Archivplatz und damit zentral in der Innenstadt) und die Entscheidung über den Investor für die Wohnbebauung am Breuninger-Areal habe Agi Schilling sogar ihren Klinikaufenthalt unterbrochen.

Innenstadt, Kunst und Kultur

Agi Schilling war überzeugte Innenstadtbewohnerin und hat sich intensiv für die Sanierung und Gestaltung dieser eingesetzt. In der Höllgasse hatte sie ihre Galerie und darüber ihre Wohnung. Dies war die ideale Anlaufstelle für ihre Kunden aber auch alle Bürgerinnen und Bürger, für deren Anliegen sie immer ein offenes Ohr hatte. 2011 zog es sie eine Querstraße weiter in die Schulstraße in ihre Penthousewohnung.

Ihre Leidenschaft und ihr Faible für Kunst brachten einen besonderen Lebensstil mit und machten sie zu einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, die das Schorndorfer Kulturleben maßgeblich bereichert hat. Viele Jahre hat sie die Verwaltung in Kunstfragen beraten und unter anderem im Kulturforum und am Bildhauersymposium mitgewirkt. Im Jahr 2005 feierte sie das 30-jährige Bestehen ihrer Galerie und eröffnete im selben Jahr am Stuttgarter Rotebühlplatz eine weitere Galerie.

Starke Frau mit weichem Herz

Als Flüchtlingskind deutscher Eltern, die in Ungarn lebten, kam sie nach dem Krieg nach Schorndorf. „Dabei machte sie früh prägende Erfahrungen und hat es geschafft, sich nicht unterkriegen zu lassen“, beschrieb Klopfer. Sie wurde zu einer Kosmopolitin, die breitestes Schwäbisch sprach, einen starken Glauben hatte und doch einen freien Geist, vor allen Dingen eine starke persönliche und eigene Meinung besaß. Sie setzte sich als Vertreterin im Preisgericht der Stiftung Barbara-Künkelin-Preis für andere mutige und selbstbewusste Frauen und deren Engagement ein. Auch war sie engagiert im Trägerverein Jugendzentrum Hammerschlag, Vorstandsmitglied der Volkshochschule, Ausschussmitglied zur Förderung der Frauenarbeit und Beirat im Kulturforum. Für ihr herausragendes und jahrzehntelanges Engagement und ihren Beitrag zum Allgemeinwohl erhielt sie vielfache Auszeichnungen: 1988 die städtische Verdienstmedaille in Bronze, später in Silber, 2001 in Gold und 2010 das Verdienstabzeichen des Städtetags in Gold. „Wir alle werden sie und ihr Wirken in unserer Stadt vermissen. Sie hat sich immer ihrer Stadt und den Bürgern verpflichtet gefühlt und um der Stadt Bestes gerungen“, so Klopfer.